Wille und Unwille

Maß und Wert sind zur Beliebigkeit verkommen. Ohne Wert haben wir kein Maß. Ohne Maß haben wir keinen Wert. Eine Quantität ist ohne Qualität nicht bestimmbar. Eine Qualität ist ohne Quantität nicht bestimmbar. Haben ist ohne Sein nichts. Ohne Wille ist Sein und Nichts gleich.

Wikipedia behauptet „Der Wille beschreibt das Umsetzen von Vorstellungen in die Realität durch Handlungen.“, wenn ich nicht handle und nichts umsetze, dann hätte ich demzufolge keinen Willen in der Realität. Keine Vorstellung zu haben, würde das Lebewesen zu einem willenlosen Objekt machen. Es bedarf aber keiner Handlung um einen Lebenswillen zu haben. Der Unwille zu leben bedarf erst recht keiner Handlung. Es darf bezweifelt werden, dass der aus dem Mutterleib geworfene Mensch, die Vorstellung zu Atmen entwickelt und die Handlung Atmen aufgrund dieser Vorstellung umsetzt. Noch absurder wäre es, zu behaupten, die Bakterie, die keinen Nährboden fand, hatte keinen Lebenswillen.

Wenn ich also sage, dass ohne Wille Sein und Nichts gleich sei, dann meine ich den menschlichen Willen und das menschliche Sein. Wir vegetieren, wenn wir keinen Willen mehr haben und das Sein, die Existenz wird bestimmt durch den Nährboden, den die Bakterie findet oder nicht findet. Der Unwille sich Schmerzen zuzufügen, kann davon bestimmt sein, ob jemand Langeweile empfindet oder nicht. Tatsächlich gibt es Versuchsreihen dazu, dass Menschen den Schmerz der Langeweile vorziehen. Die Handlung resultiert also dabei aus einem Wertesystem. Es gibt dabei Werte, die sollten aus menschlicher Perspektive unverhandelbar sein. Die Werte werden aber nicht gemessen oder veranschlagt. Der Wille zu atmen und damit zu überleben könnte man mit 2,25 Millionen Euro pro Tag und Mensch veranschlagen, soviel in etwa kostet ein Tag auf der ISS ohne Transport pro Mensch. Wenn ein Arbeitgeber sich nun der Produktivität eines anderen Menschen auf der Erde bedienen will, dann müsste er für die Erdraumschiffkosten (wenn wir den Planeten mal als großes Raumschiff betrachten)  einen Stundenlohn von 93.750 Euro bezahlen. Der Wille geschweige denn der Wille der Politik sowas auch nur anzudenken, dürfte nicht vorhanden sein. Was wir wie bewerten und welches Maß wir ansetzen hat also nichts mit physikalischen objektiven Gegebenheiten zu tun, sondern nur etwas damit, was wir bewerten wollen und was wir zumessen. Das kann eben auch bedeuten, dass wir uns in Langeweile gezwungen, selbst Schmerz zufügen um der Langeweile zu entkommen.

Der Wille oder der Unwille entsteht aus dem Wertesystem.

Das Maß entspricht dem Willen oder Unwillen.

Der Unwille ist hierbei nur die negative Entscheidung etwas zu wollen und ebenso ein Wille.

Nur haben wir als Menschheit gar keinen Willen mehr, wir sind mehr oder weniger Getriebene diverser Prozesse, weil wir uns von den Grundwerten verabschiedet haben. Selbstverständlich hat der Einzelne seine Werte aus denen heraus er lebt. Eine optimale, dem Menschen genehme, Atmosphäre ist ein verhandelbares Gut geworden. Selbst wenn hinterher die Maschinen untereinander Handel betreiben können und immer mehr Geld erwirtschaften, ist das aus menschlicher Sicht einfach nur noch idiotisch und unsäglich dumm. Der Wille, immer mehr Geld zu verdienen, ist ohne Wert und als solches maßlos. Eine Politik, die sich ihr handeln von diesen Maßlosigkeiten diktieren lässt, ist gar keine Politik, sondern nur noch ein vegetieren einer Bakterie gleich, die ständig nach neuen Nährböden sucht.

Es scheint mir fast so, als ob die Menschheit keinen Lebenswillen mehr hätte, sondern dass sie sich bewegt wie flußaufwärts schwimmende Lachse ,um die Basis für eine Maschinenwelt zu legen, um dann zu sterben. Irgendeine künstliche Intelligenz kann dann eines Tages ein Denkmal setzen: „Wir danken der Menschheit für die Schaffung unserer Existenz.“ Der Unwille in der Gier nach Geld, sich dem entgegenzustellen ist täglich verspürbar.  Probleme, die vor dreihundert Jahren noch überlebenswichtig waren, sind heute gelöst und sicherlich könnten wir sie auch weltweit lösen, wenn da nicht die Gier nach Gütern wäre, die für unser Überleben gar keine Rolle spielen. Weder Gold noch Diamanten können wir atmen, essen und darin wohnen. Der Wille sich geistig fortzuentwickeln ist unterrepräsentiert. Es wird alles nur noch in physikalischen Werten angegeben, die eigentlich nur Maße sind und keine Werte beinhalten. Wer bestreitet, dass atembare Luft, ein für den Menschen ein essentieller Wert ist, der soll sich doch ohne Raumanzug auf den Mond begeben und dort weiterforschen. Es gibt Grundwerte der menschlichen Existenz, die eigentlich nicht begründbar sein müssten, dass sie überhaupt begründet werden müssen, zeigt unsere moralische und seelische Verkommenheit.

Jene, die den Willen haben, die Menschheit fortzuentwickeln unterliegen heutzutage gegenüber den wirtschaftlichen Subjekten, die willenlos den Nährböden folgen und wenn sie mit Braunkohle ganze Landschaften zerstören und mit Diamantenminen Riesenlöcher graben, dass nennen sie dann Wirtschaften, hat aber eigentlich mit Wirtschaft überhaupt nichts mehr zu tun. Wirtschaft wäre die menschliche Tätigkeit gewesen, die menschlichen Bedürfnisse auf optimale Weise für alle Menschen zu befriedigen. Stattdessen haben wir ein ominösen Prozess, der sich Wirtschaft nennt und die willenlose Befriedung Bedürfnisse Einzelner ist.

Was als Sachzwänge bezeichnet wird, ist der Unwille etwas zu tun oder zu ändern. Hierbei ist der Unwille etwas zu tun nicht identisch mit dem Willen etwas nicht zu tun. Der Unwille ist die Ablehnung des Willens. Das kann aber muss nicht der Negation des Willens entsprechen. Der einzelne Politiker wie auch der einzelne Wirtschaftsangehörige bezahlt das ja nicht mit seinem Leben. Daß die Rechnung erst in zwei- bis dreihundert Jahren zu bezahlen ist, kann diesen einzelnen Individuen egal sein. Hatte die europäisch im Mittelalter herrschende Kirche noch den moralischen Zwang ausgeübt, gibt es eine solche Instanz heutzutage nicht. Es gibt nur noch einen Markt der Meinungen und dann ist der Braunkohleabbau im eigenen Interesse halt weniger wert, als das Wohnhaus auf demselben Acker. Nun im Mittelalter hätte man den Ackerbewohner wahrscheinlich als Hexe verbrannt, wenn er oder sie im Weg stand, sicherlich auch nicht besser.

„Der Wille beschreibt das Umsetzen von Vorstellungen in die Realität durch Handlungen.“, würde demzufolge bedeuten, der Ackerbewohner der von dem Braunkohlekonzern vertrieben wird, hätte den Willen dort nicht mehr zu wohnen. Wir könnten ihn befragen, aber jeder vernünftige Mensch weiß bereits, dass es nicht sein Wille ist, dem Konzern zu weichen. Der Wille entsteht durch Abwägungen von Werten.  Die Werte sind hierbei auch durch physikalische Prozesse determiniert. Zum Beispiel ein Mensch der keine Luft zu atmen hat, wird soweit er denn den Willen zum Weiterleben hat, sich zunächst mal um Atemluft kümmern.  Zum Beispiel in einem gesunkenen U-Boot wird sich die Mannschaft um die Atemluft kümmern, selbst wenn sie noch physikalisch Atmen kann. Werte ohne Menschen sind wertlos, es gibt keine Werte ohne den Menschen. Oh ja sehe schon wieder Physiker vor meinem geistigen Auge Veitstänze aufführen, aber alle eure Messwerte sind Mumpitz, wenn es keine Menschen mehr gibt.

Ja, ich weiß, dass diese Beschreibung von Wille, nicht dem alltäglichen Umgang entspricht. Doch das Maßproblem ist auch ein Willensproblem. Ob nun ein Gegenstand wie Schokolade mehr Wert ist als ein Kaugummi, hängt nicht alleine von den Produktionskosten ab. Tatsächlich würde bei gleichem Preis immer noch die Entscheidung anstehen, was ich mir als erstes in den Mund schiebe oder keins von beidem. Dieser Wille würde aber automatisch auch auf den Preis zurückschlagen. Eine willenlose Wirtschaft, die keinerlei Vorgaben mehr erhält, was wir wirklich wollen, ist keine Wirtschaft mehr. Es ist eine Vermehrung einer Bakterie gleich, die auf lange Sicht nur zur Abschaffung der Menschheit führen kann. Marx irrte sich, dass der Kapitalismus sich überleben würde, der Kapitalismus überlebt auf diese Art die Menschheit. Womit Marx natürlich dann doch Recht hätte, er hatte nur nicht auf der Rechnung, dass das System, das sich selbst überlebt, auch der Mensch selbst sein könnte.

Der Unwille gegen die Vernichtung etwas zu unternehmen, ist dabei irgendwie erstaunlich. Hinterher hat der Mensch gar keinen Willen. Es erscheint ihm dann nur so, dass er einen Willen hätte.

Der Wille oder der Unwille entsteht aus dem Wertesystem.

Das Maß entscheidet über Willen oder Unwillen.

Ohne Wert ist kein Maß.

Sein und Nichts

„Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist.“ (Tractatus 6.54, Ludwig Wittgenstein) „Man kann für eine große Klasse von Fällen der Benützung des Wortes „Bedeutung“ – wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung – dieses Wort so erklären: Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“ (PU 43, selbiger). Oder ich könnte hier auch αρχή ο Λόγος bemühen und wenn das erste Wort „Nichts“ wäre, dann wäre immer noch das Wort und das Nichts und damit wäre etwas und schon wäre ein Sein. Ein Nichts kann sich nicht selbst bezeichnen. Nichts kann nur sein, wenn mindestens Nichts ist. Selbst wenn es nicht existiert, ist seine Existenz.

In Haben und Sein schrieb ich „Etwas nicht zu haben ist eine Quantität der Größe Null im Sein.“ Was wir als Nichts bezeichnen ist eigentlich nur eine Quantität des Seins, gleichzeitig dabei aber auch eine Qualität des Seins. Im Nichts fallen Maß und Wert zusammen.

Sein ist der Name für das Nichts, wenn kein Unterschied mehr besteht.

Das heißt mitnichten, dass keine Unterschiede bestünde. Im Gegenteil  αρχή ο Λόγος schon das Wort und sei es nur das Wort „Ich“ unterscheidet zwischen dem Sein und Nichtsein.  Nähmen wir an, ich selbst wäre alles was existiert und auch diese Zeilen hier, sind nichts anderes als die Trennung in meiner Welt, was ich als in mir selbst betrachte und was ich äussere, dann sind diese Zeilen Nichtich, obwohl alles ich wäre. Es wäre die möglicherweise unsinnige Beschäftigung eines Geistes, der sich einfach in einer unendlichen Langeweile selbst in zwei Teile teilt und das eine als Ich betrachtet und etwas anderes eben als Nichtich. Von aussen betrachtet, gäbe es aber diese Trennung nicht, das wäre ja immer noch ein Einziges.

Alles was ist, inklusive dieser Zeilen, ist in der Welt und nicht irgendwo ausserhalb dieser Welt. Jede Wissenschaft ist nicht weltlos. Im Gegenteil sie beeinflusst die Welt. Diese Zeilen hier sind nicht in Stein gehauen und ohne unsere physikalischen Erkenntnisse, könnte sie keiner Lesen. Wobei jetzt jemand aus dem letzten Satz eine margritsche Pfeife basteln könnte, indem er den Satz in Stein haut. Wobei das in Stein hauen ein schönes Beispiel dafür ist, wie das Nichts erst den eigentlichen Inhalt schafft. Gerade das Entfernen des Steines schafft dann die Inschrift. Robert Kaplan sagt in seinem Buch „Die Geschichte der Null“, dass das Kreiszeichen der Null durch die Wegnahme des Steines in Indien entstanden sein soll.  Was wir als Nichts bezeichnen, ist lediglich eine Grenze des Seins. Ob die Grenze nun links oder rechts oder oben oder unten ist, ist dabei vollkommen unerheblich, sondern nur eine Frage der Ansicht.

Wir kommen mit dem Dualismus das beides ohne Unterschied gleichzeitig vorhanden ist nicht zurecht. Wenn wir etwas messen können und es für uns zählbar ist, dann scheint es uns schwer vorstellbar, dass es gleichzeitig auch unzählbar sein könnte.  Unsere alltägliche Erfahrungswelt ist darauf ausgerichtet und wahrscheinlich auch evolutionär darauf entwickelt, dass da etwas ist oder eben etwas nicht ist. Wäre ja auch irgendwie blöd, wenn der Affe als er sich von Baum zu Baum hangelte, ständig neben den Ast gegriffen hätte. Luft wäre nur für einen Vogel ein tragfähiges Element.

Etwas nun, dessen Sein wir mit seinem Ort anerkennen, ist etwas, das wir bezeichnen. Wenn ich nun zwei Nichtorte habe, sprich zwei Spalten und dort etwas, was beim Nachschauen einen Ort hat durchschicke, dann ist für uns zu erwarten und unseren Denkmodellen unseres Dualismus einfach klar, dass es entweder durch den Platz, dem ich dem Teilchen gelassen habe, es sich entscheiden muss und nicht durch beide Nichtorte gleichzeitig spazieren kann. Nun ist ein Ort eine Position eines Punktes, eigentlich nur ein Gedankenkonstrukt des Affen, ob da ein Ast ist oder kein Ast. Für Äste ist das sehr praktisch. Im Falle von Lichtquanten wird es schwierig. Die mögen in ihrem Sein sich da nicht ganz an unsere Definitionen halten. Ort und Nichtort verhalten sich da nicht so ganz wie Äste. Wir haben aber in den letzten hundert Jahren ganz gut damit gelernt umzugehen und entwickelten den Begriff Welle-Teilchen-Dualismus.

Das ein Seiendes mit einem Nichtseiendem zusammenfallen könnte und letztlich einfach etwas anderes aber dennoch Seiende ist, das ist für uns widersprüchlich und scheinbar undenkbar. Was wir dabei vergessen, dass unsere Sprache nicht die Welt ist. Die Sprache selbst ist sogar Teil dieser Welt und auch unser komplettes Denken. Die Regeln, die wir aufstellen, beschreiben nicht nur die Welt, sie verändern auch die Welt. Derzeit tun wir das aber etwas ziellos und wertelos. Wir kommen sogar auf den Gedanken, eine Maschinenökonomie zu entwickeln, wo Maschinen Maschinen bezahlen sollen und selbstständig Handel treiben. Das ganze nennen wir dann wirtschaftliche Zwänge. Konsequent Zuende gedacht, mag es dann ein Sein geben, was auf den Menschen verzichtet.  Wir sind dann gewesen und das Wort Sein ist dann bedeutungslos geworden. Dann ist der Mensch der Dinosaurier irgendwelcher Maschinenwelten und sein Sein mag für die Maschinen wichtig gewesen sein.

Vernünftige Politik würde sich nicht dermaßen wertelos treiben lassen. Was wir sind und was wir sein wollen, sollten wir schon auch sein. Wenn wir aber nichts sind und unsere Existenz uns nichts wert ist, dann macht es eigentlich keinen Unterschied. Dann allerdings sind wir auch jetzt schon Nichts. Unwille ist letztlich auch ein Wille.

Ohne Wille ist Sein und Nichts gleich.

Haben und Sein

Erich Fromm setzt sich mit diesen beiden Begriffen antagonistisch auseinander. Im Sinne der Qualität und Quantität setzt er sich in seiner Gesellschaftskritik für Qualität ein. Ich teile zwar die Wertung von Erich Fromm, ich will hier aber gar keine Wertung vornehmen.  Ohne Wert haben wir kein Maß und ohne Maß haben wir keinen Wert. Haben und Sein sind nur scheinbar gegensätzliche Begriffe.  Das Haben ist hier vergleichbar mit der Quantität und das Sein vergleichbar mit der Qualität.

Der Einstieg in Maß und Wert begann mit darüber und für mich wäre damit schon alles darüber gesagt, wenn ich davon ausgehen könnte, dass der Grundgedanke verstanden worden ist. Beim Schreiben dieses Artikels war ich auf der Suche nach einem Satz, der da endete „wenn kein Unterschied besteht.“ Ich wollte mich selbst zitieren und finde ihn nicht. Dafür fand ich alte Gedanken zu Haben: „Haben als eine Tätigkeit vergisst, dass wir nichts behalten können, weder unser Leben noch unsere Nahrung. Jeder Besitzstand versucht diese Vergänglichkeit zu kompensieren, weil wir gegen das Vergangene streben um die Zukunft zu erreichen, derweil können wir weder die Zukunft noch die Vergangenheit besitzen.“

Auf philo.at schrieb ich: „Nichts ist der Name für das Sein, wenn kein Unterschied mehr besteht. Sein ist der Name für das Nichts, wenn kein Unterschied mehr besteht.“

Wie diese Sätze zu der Welt gehören, in der wir nunmal leben, so ist das Sein eine Qualität uns selbst wenn die Qualität das Nichtsein ist, dann ist dieses Nichtsein ein Sein in dieser Welt. Das Haben ist die Quantität, die ohne diese Qualität nicht habbar ist. In letzter Konsequenz können wir der gesamten Welt auch wissenstechnisch nur zu einem gewissen Punkt habhaft werden. In dieser Welt können wir auch die Vorwelt und die Nachwelt uns geistig aneignen und uns Vorstellen, was vor dem Urknall gewesen wäre, aber das ist dann eine Phantasie dieser Welt und gehört immer noch in diese Welt. Es ist. Im Maximum wie auch im Minimum ist es in der Quantität Eins und selbst das Nichts fällt in diese Eins hinein.

Etwas nicht zu haben ist eine Quantität der Größe Null im Sein. Auch das Nichtsein ist ein Wert im Sein. Wenn jemand Vitamin-C-Mangel hat, dann ist das Sein des Vitamin und seine Notwendigkeit der Existenz die Bedingung den Mangel haben zu können, wenn auch die Quantität dieses Seins im schlimmsten Falle Null ist und Skorbut auslöst.

Ein Haben bedingt immer auch ein Sein, selbst im Nichthaben ist das Sein Bedingung. Das Nichtsein hingegen ist nur eine Qualität des Seins. Selbst wenn etwas nicht ist, ist es immer noch in der Welt als sprachlicher Ausdruck und als solches in der gleichen Welt. Und wenn wir über das Unvorstellbare oder Nichtbeschreibbare schreiben oder denken, dann ist es mindestens als solches immer noch etwas und in dieser Welt. Wir können die Welt nicht überschreiten. Wir mögen uns das zwar vorstellen können, aber dann ist immer noch die Vorstellung davon in der Welt.

Aus dieser Erkenntnis wird in den letzten hundert Jahren eine gewisse Beliebigkeit konstruiert. Das halte ich für falsch. Die Anerkenntnis, dass wir Aussagen treffen können und das unsere Aussagen nur dann Aussagen sind, wenn sie existieren und zunächst mal wahr sein müssen, damit sie falsch sein können, bedeutet nicht, dass alles beliebig wäre. Es ist falsch zu sagen, wir könnten nichts sagen. Wir können alles sagen und denken, was wir wollen. Wir können aber Aussagen nur dann bewerten, wenn wir ihre Existenz anerkennen. Manche Aussagen sind so unsinnig, dass uns das nicht weiter schwer fällt. Die Qualität einer Aussage ist ihre bloße Existenz, die Quantität einer Aussage ist ihr Wert.

Haben und Sein sind Ansichten eines Gegenstandes. Das Sein ist nicht zu haben und das Haben ist nicht zu sein bzw. Sein ist und Haben hat. Wenn Sein der Wert ist, dann ist Haben das Maß. Sein ist die Qualität und Haben ist die Quantität.

Ohne Maß haben wir keinen Wert.

Eine Quantität ist ohne Qualität nicht bestimmbar.

Haben ist ohne Sein nichts.

Insofern messen wir in wirtschaftlichen Prozessen immer nur die Quantitäten und nicht die Qualitäten. Deswegen sind diese Zahlenwerte immer ohne Wert. Deswegen lohnt es sich scheinbar Leben zu vernichten und Arten auszurotten, weil der Wert des Seins in die Buchhaltung gar nicht einfliesst. Mag die Buchhaltung in der Quantität noch so perfekt sein und eine Wertsteigerung ausweisen, sie ist in der Qualität falsch.  Die Würde des Menschen hat keine Zahl in diesem wirtschaftlichen Sinne, sind aber diese Seinswerte nicht enthalten ist jeder wirtschaftliche Rat falsch. Dennoch orientiert sich die Politik an diesen Habenwerten, die nichts mit den Seinswerten zu tun haben. Wenn Börsen dann in dem fünf bis sechsfachen der Erdwerte spekulieren, dann sind das einfach nur sinnlose Zahlen, die in den Köpfen als Haben verbucht werden, die aber keinen Wert haben. Ihnen fehlt es an jeglicher Qualität im Sein. Es ist eine wissenschaftliche Lüge, deren mathematische Rechnung in der Anbetung der Zahlen zwar korrekt sind, die aber eine Irrung sind, wie die Irrungen des Mittelalters als die seelisch religiösen Werte in den Vordergrund gestellt wurden.

Ohne Maß haben wir keinen Wert.

Eine Quantität ist ohne Qualität nicht bestimmbar.

Haben ist ohne Sein nichts.

Qualität und Quantität

Maß und Wert war die Einführung in diese Artikelreihe. Zuletzt hatte ich darin dargelegt, dass wir nicht messen können und auch nicht bewerten können, wenn wir kein Maß und keinen Wert haben. Ohne Wert haben wir kein Maß. Ohne Maß haben wir keinen Wert.

Ein Quantität scheint auch dann möglich, wenn ich keine Qualität habe, das scheint aber nur so. Selbst die Quantität braucht mindestens eine Qualität und sei es nur die der Unterscheidbarkeit. Genauso verhält es sich allerdings auch mit der Qualität, ich muss der Qualität mindestens eine Quantität zuordnen, damit ich überhaupt eine Qualität habe. Und selbst wenn ich die Qualität scheinbar Null oder Nichts ist, dann ist dies eine Unterscheidung die Bedingung ist um überhaupt von Qualität sprechen zu können.

Die meisten Lebewesen können das von sich aus und deswegen erscheint es uns trivial. Ja wir meinen, dass es keiner Erwähnung wert ist. Aber genau in dem Moment, wo wir uns über die Welt austauschen, vergessen wir das. Unser gesamtes Wissen über die Welt, ist nicht die Welt sondern ununterscheidbar auch ein Teil dieser Welt. Wir können unsere Welt nicht überschreiten. Alle Texte die in der Vergangenheit geschrieben worden sind und auch alle mathematischen Beweise wie auch die Physik und auch sonstige Wissenschaft sind mit ein Teil dieser Welt. Wir können dieses System nicht verlassen. Wir können auch nicht über das System selbst hinaus. Die Nichtwelt ist mit der Welt in unserer Beschreibung eins. Wenn wir etwas mit der Quantität Null versehen, dann hat es nicht die Quantität Null. Es gibt und jetzt sehe ich die Mathematiker schon wieder vor meinen geistigen Auge Veitstänze aufführen, keine kleinere Zahl als Eins. Selbst die Nichtmenge ist eine Menge. Jeder Begriff, jedes Wort und selbst das Nichtwort, ist letztlich in der Unterscheidung mindestens etwas. Aber selbst wenn es nichts ist, ist es immer noch Bestandteil dieser einen Welt. Wer das bestreiten will, kann nicht sprechen und kann auch nicht lesen. Aber selbst wenn er nicht lesen und nicht sprechen könnte, selbst dann gilt dieses Prinzip. Selbst das Bakterium brauch mindestens den Unterschied zwischen sich und der Außenwelt. Die Qualität des Unterschieds zwischen sich selbst und der Welt ist die Mindestvoraussetzung dafür, dass etwas ist. Aber dieses Sein, ist deswegen noch lange nicht aus dem gesamten Sein herausgenommen.

Aber selbst wenn wir zu dem Punkt kämen, was war vor der Welt, selbst wenn hier unsere Beschreibung endet und der Kopf dagegen anrennt, so müssen wir feststellen, dass auch die Vorwelt unsere Welt ist. Wir machen zwar dann den Unterschied, dass wir nichts darüber sagen können, was vor der Welt gewesen ist. Aber dieses Nichts ist eben nicht Nichts, sondern es ist nur der qualitative Unterschied, was wir in dieser Welt aussagen können und was nicht. Aber diese Aussage ist eben nicht Nichts, sondern als solche auch ein Bestandteil dieser Welt.

Wenn also etwas aus dem Nichts entspringt, dann entspringt es eigentlich unserer Welt. Unsere Gedanken sind ein Teil dieser Welt. Jede Lüge und jede Wahrheit ist in diesem Sinne auch wahr. Wir können eine Lüge oder eine Falschaussage nur in Bezug auf etwas als falsch ansehen. Die Aussage kann nur eine Aussage sein, wenn ihr als solches in welchem Regelsystem auch immer eine Existenz zukommt. Der Vogel, der lügt, beherrscht das schon. Er behauptet zum Beispiel die Existenz einer Gefahr. Würde das Weibchen, diese Aussage nicht wahrnehmen, wäre diese Lüge sinnlos. Es macht ja gerade diese Qualität aus, warum wir dass dann als Lüge des Vogels bezeichnen. Die Lüge muss also zunächst mal wahr sein, damit die Qualität der Lüge als falsch bewertet werden kann. Die reine Quantität der Aussage an sich genügt dazu nicht. Das verwirrt natürlich unser Denken ganz besonders, wenn wir zwei scheinbar widersprüchliche Aussagen haben, denn einem Logiker muss das zur Verzweiflung treiben, dass eine Aussage wahr sein muss, damit sie falsch sein kann. Aber auch Aussagen, die weder wahr noch falsch sind, müssen in diesem Sinne erst einmal wahr sein. Es gibt hier keinen kleineren Wert als Eins.

Eine Quantität ist ohne Qualität nicht bestimmbar.

Eine Qualität ist ohne Quantität nicht bestimmbar.

Jede unserer Aussagen sind auch ein Teil der Welt und können von der Welt nicht getrennt werden, wir sind nur zu Beschreibungen innerhalb des Systems fähig und müssen uns damit abfinden, dass wir die Welt nicht verlassen können, auch mit unseren Aussagen nicht. Eine komplette Beschreibung der Welt ist unmöglich, da sie Beschreibung der Beschreibung nicht enthält. Eine komplette Verifizierung oder auch Falsifizierung ist nicht möglich. Wenn wir etwas verifizieren, dann ist die Vorraussetzung, dass die Aussage als ein Teil der Welt schon vorhanden ist. Es muss wie mindestens wie ein Märchen existent sein, um die Qualität es handelt sich um kein Märchen, sondern ist wahr, zuordnen zu können. Und genauso ist es natürlich dann mit der Qualität Märchen. Aussagen egal welcher Art sind zunächst immer von der Quantität 1 damit eine Quantität 0 zugeordnet werden kann. Das allerdings ist dann bereits eine Qualität sozusagen hat die Qualität 0 immer die Quantität 1, was rechnerisch zu einem scheinbaren Widerspruch führt. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass sich deswegen auch alles so schön in Nullen und Einsen ausdrücken lässt. Aber selbst wenn wir alles in 0 und 1 beschreiben würden, wäre auch das ein Teil der Welt.

Eine Quantität ist ohne Qualität nicht bestimmbar.

Eine Qualität ist ohne Quantität nicht bestimmbar.

Maß und Wert

English

„Ich will jetzt eine Zigarette rauchen und etwas darüber schreiben.“ „Bitte, wenn du das tust, dann schreibe Sätze, die nicht wie diese sind.“ Meine Frau hat wie immer Recht. Das „darüber“ bezieht sich selbstverständlich nicht auf die Zigarette.  Ich setze beim Leser oder auch Hörer meiner Äußerungen einfach zu viel voraus. Auf die Frage von Wilhelm Vossenkuhl „Was ist Wert?“ antwortete ich mal „Ich weiß nicht, was Wert ist.“, demzufolge bin ich ein Idiot. Denn die Antwort ist falsch. Selbstverständlich weiß ich mehr darüber, als ein „Ich weiß es nicht.“, bin aber irgendwie, wie selbstverständlich davon ausgegangen, daß ein Professor für Philosophie der Problematik bewusst sein müsste und damit mein „Ich weiß nicht.“ richtig interpretiert. Hier habe ich wieder zu viel vorausgesetzt. Wenn ich sage „Wir können nicht messen.“, dann bin ich ebenso ein solcher Idiot. Auch hier setze ich voraus, dass die Tatsache, dass wir messen, bekannt ist und ich nicht der Trottel bin, der diese Tatsache ignoriert.

Ich stehe wie jeder Denker auf den Schultern von Riesen, der weder alle Gedanken die gedacht worden sind und niedergeschrieben worden sind bestreitet, noch von sich behauptet, daß alles was er (also ich) schreibt, auf seinem Mist gewachsen ist. Mein Beitrag ist klitzeklitzeklein. Voraussetzungslos lässt sich nicht denken.

Je kleiner nun ein Sachverhalt ist, desto schwieriger mag es sein ihn zu erklären. Manchmal mögen es die Kleinigkeiten sein, die die Welt verändern. Es wird mehr als ein einziges Schriftstück notwendig sein, aber irgendwo muss es ein erstes Stück geben, welches versucht darzustellen und zu erklären, worum es mir geht.

Die Axiologie ist ein vernachlässigte Wissenschaft, derweil mag es das Wichtigste sein, was wir benötigen. Doch ist diese meine Aussage wahrscheinlich dem geschuldet, dass jeder Denker, der sich mit etwas beschäftigt, das für wichtig hält, sonst würde er das ja wohl kaum tun. Die Philosophie als Solches ist eine brotlose Kunst. Niemand bezahlt einen dafür und niemand ist sie ausser als Prechtsche Unterhaltung oder Habermassche Andachtsrede etwas wert. Wir sind zu einer wertlosen Gesellschaft verkommen, die von Sachzwängen redet und dabei von den Tatsachen, die unsere Welt bestimmen keine Ahnung mehr hat.

Maß und Wert sind zur Beliebigkeit verkommen.

Ich sehe vor meinem geistigen Auge gerade einen Physiker und einen Mathematiker an die Decke hüpfen und dem heftigst widersprechen. Sowohl „Measure“ als auch „Value“ sind die Mengen, die für diese Berufsgruppe nicht beliebig sein dürfen. Für den Physiker ist die Beliebigkeit noch mehr verboten als für den Mathematiker.

Dennoch ist der Kaiser nackt.  Es geht nicht um die Aussage eines dreijährigen, dass die Tasse voll oder  leer ist. Jedes dreijährige Kind kann das messen und bewerten. Physiker und Mathematiker mögen das auf einem komplexeren Niveau ebenso machen aber mit der Reflektion eines dreijährigen Kindes. Sie sind deshalb die Könige unserer Kindergesellschaft.

Und wie bei einem dreijährigen Kind, dem man das Spielzeug klaut, gibt es einen Aufschrei, wenn behauptet wird „Wir können nicht messen.“ und „Wir können nicht objektiv bewerten.“ und wie bei einem dreijährigen Kind, hält sich danach die Gesellschaft die Ohren zu.

Nehmen wir mal den lexikalischen Satz aus Wikipedia „Ein Axiom (von griechisch ἀξίωμα: „Wertschätzung, Urteil, als wahr angenommener Grundsatz“) ist ein Grundsatz einer Theorie, einer Wissenschaft oder eines axiomatischen Systems, der innerhalb dieses Systems nicht begründet oder deduktiv abgeleitet wird.“ dieser Satz ist falsch.

Ein Axiom ist nämlich nur dann ein Axiom, wenn es innerhalb des menschlichen Denkens als solches anerkannt ist und einen Wert erhält. Wäre dem nicht so, dann wäre das Axiom bedeutungslos. Da wir über unser Menschsein und über unser Denken nicht hinauskönnen, ist das Axiom innerhalb dieses Systems begründet worden.  Es ist auch innerhalb des System des menschlichen Denkens abgeleitet worden. Um ein Axiom formulieren zu können, muss ich der Ableitung von Bedeutungen fähig sein. Ich muss den Satz in welcher Sprache auch immer verstehen können. Bestehen diese selbstverständlichen und sei es auch nur umgangssprachlichen Regelungen und Schlussfolgerungen nicht, dann gibt es keine Sätze. Wer das bestreitet, der kann auch diese Sätze hier nicht lesen. Ja, er wäre noch nicht einmal zur Sprache fähig.

Diese Selbstverständlichkeit, die schon einem dreijährigen Kind bekannt ist, setzen wir ungesagt voraus. Und mit dieser Selbstverständlichkeit messen wir auch. Nur ohne diese Werte können wir gar nicht messen. Die Menge, der Flüssigkeit in der Tasse des Kindes und die Zuordnung ist uns so selbstverständlich, dass uns schon die bloße Behauptung, dass wir nicht messen können absurd erscheinen muss.

Ohne Wert haben wir kein Maß.

Ohne Maß haben wir keinen Wert.

Wenn wir etwas nicht messen können, dann liegt es an den Werten, die wir zugrunde gelegt haben. Umgekehrt können wir etwas messen, was keinen Sinn ergibt, wenn die zugrundeliegenden Werte falsch sind. Die mathematischen Schlussfolgerungen mögen dann zwar korrekt sein, nur sind die Vorraussetzungen möglicherweise falsch gewählt.

Für meine Begriffe geschieht das in wirtschaftlichen Prozessen ständig. Die sogenannten Sachzwänge sind hierbei nur Schlussfolgerungen falscher Werte, die zwar richtig gerechnet worden sind, das Ergebnis aber dennoch falsch ist, weil die zugrundeliegenden Werte falsch gewählt worden sind. Der Wert des Menschen wird hierbei nicht mehr als Prämisse gesetzt, weil er in Zahlen nicht einfach oder gar nicht zu fassen ist. Das führt dann zu einer unmenschlichen Politik, weil das Verhältnis zwischen Maß und Wert so gut wie unbekannt ist und nicht durchdacht ist.

Weil nun die Physik und die Mathematik so erfolgreich sind, haben wir uns zu Sklaven einer Berechnung gemacht ohne eine Bewertung mehr vorzunehmen, was logisch grundlegend ist. Dabei ist es nicht so, dass gewisse Werte nicht beweisbar – im Sinne von aufzeigbar wären, sie spielen nur keine Rolle mehr. Ein Satz wie „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ ist wertlos, wenn nicht konsequent aus diesem Wert abgeleitet wird.  Hierbei könnte man es durchaus als Axiom bezeichnen, aber es ist nicht so, dass dieses Axiom „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ grundlos ist und nicht begründet werden kann. Es kann sogar aus den historischen Verhältnissen abgeleitet werden. Eine wirtschaftliche Berechnung, die diesen Grundsatz unseres Grundgesetzes nicht berücksichtigt, ist falsch. Zwar mag alles richtig gerechnet worden sein, aber die Rechnung ist dennoch falsch.

Ohne Wert haben wir kein Maß. Ohne Maß haben wir keinen Wert.